Väter

Ein Abend in zwei Teilen.

„Wer hat meinen Vater umgebracht“ von Édouard Louis (FR) (Österreichische Erstlesung)

„Der Vater“ von Stéphanie Chaillou (FR) (Deutschsprachige Uraufführung)

Die Auswüchse neoliberaler Politik haben in Europa ein neues Prekariat produziert. In „Wer hat meinen Vater umgebracht“ von Édouard Louis klagt Louis, der aus der Arbeiterklasse stammende Jungstar der französischen Literatur, den französischen Staat an, seinen Vater in Krankheit und Armut getrieben zu haben. In „Der Vater“ gewährt Stéphanie Chaillou einen Einblick ins Innenleben eines kleinen Bauern, der unter dem Druck des Marktes seinen Hof verlor. Beide Texte bearbeiten die schwierige Beziehung zwischen Vater und Kind, sie stehen stellvertretend für eine politische und gesellschaftliche Entwicklung, die ganz Europa in Aufruhr versetzt.

Regie: Gerhard Willert (AT), Ausstattung: Alexandra Pitz (AT), Musik: Wolfgang „Fadi“ Dorninger (AT)

Mit: Theo Helm. Stimme des Sohnes: Bastian Dulisch.

Videos: David Haunschmidt

Die Auswüchse neoliberaler Politik haben ein neues Prekariat produziert. Doch die sogenannten Globalisierungsverlierer_innen melden sich allenthalben auf unterschiedlichste Weise zu Wort. Es rumort in Europa. Édouard Louis und Stéphanie Chaillou verleihen zwei in den Strudel dieser Entwicklung geratenen Menschen Stimme und Gesicht. In „Wer hat meinen Vater umgebracht“ rehabilitiert Louis, der aus der Arbeiterklasse stammende Jungstar der französischen Literatur, mit einer an Zola erinnernden Verve seinen eigenen Vater. In „Der Vater“ gewährt die auch als Lyrikerin bekannte Chaillou mit kafkaesker Genauigkeit einen Einblick ins Innenleben eines kleinen Bauern, der unter dem Druck des Marktes seinen Hof verlor. Beide Texte wurden jüngst in Paris prominent und höchst erfolgreich uraufgeführt. Sie bearbeiten die schwierige Beziehung zwischen Vater und Kind in einem gebeutelten Frankreich. Sie stehen stellvertretend für eine Entwicklung, die ganz Europa in Aufruhr versetzt.

Inhalt

Der aufstrebende Autor Édouard Louis klagt den französischen Staat an, der seinen Vater in Krankheit und Armut getrieben hat. In einem hochemotionalen und brandaktuellen Monolog erzählt der Sohn die Lebensgeschichte seines Vaters: Von einem Mann, der in einem von Gewalt, Alkoholismus und schwerer Arbeit geprägten Umfeld aufgewachsen ist und der sich sein Leben lang zutiefst für den eigenen Bildungsmangel, für seinen vorgegebenen Lebensentwurf schämt.

„Weil ich gescheitert war, gehörte mein Leben nicht mehr mir“. Stéphanie Chaillou lässt in ihrem packenden Monolog einen Mann sprechen, dessen Scheitern als Landwirt ihn in einen Abgrund aus Selbstzweifeln und Existenzangst stürzen lässt. Der Familienvater wird erdrückt unter dem Urteil der anderen, die sein Leben mit beiläufiger Niedertracht als öffentliches Gut behandeln.

Die völlige Entwertung des Individuums angesichts des wirtschaftlichen Versagens bricht den Protagonisten in „Der Vater“ psychisch gleichermaßen, wie die Vaterfigur Louis‘ physisch zerstört wird. Die Armut als soziales Brandmal, das jeden treffen kann und der Niedergang des eigenen Männlichkeitsbildes sind die treibenden Kräfte hinter dieser Seelenbeichte.

Bei Édouard Louis spricht der Sohn für den stummen Vater und berichtet in Momentaufnahmen vom Leben eines Mannes, der verloren hat und dem nun nichts weiter bleibt, als zu hoffen, dass seine Kinder nicht in denselben Abgrund laufen. Stéphanie Chaillou gibt einem Vater das Wort, der die Hässlichkeit der Menschen erkennt, als er selbst den sozialen Abstieg erlebt.

Künstler_innen

Stéphanie Chaillou, geboren 1969, trat zunächst als Lyrikerin in Erscheinung. Aus ihrem ersten Roman, dem mehrfach ausgezeichneten Der verunsicherte Mann, entstand das Theaterstück Der Vater, das im Herbst 2018 unter der Regie von Julien Gosselin in Paris Furore machte. Nach ihrem zweiten Roman Alice oder die Wahl der Waffen erschien kürzlich Der Lärm der Welt.

Derzeit arbeitet sie an einem Stück mit dem Arbeitstitel Ringo oder der neue Sohn.

Édouard Louis wurde 1991 geboren und lebt in Paris. Sein autobiographischer Debütroman »Das Ende von Eddy«, in dem er von seiner Kindheit und Flucht aus prekärsten Verhältnissen in einem nordfranzösischen Dorf erzählt, sorgte 2015 für großes Aufsehen. Das Buch wurde zu einem internationalen Bestseller und machte Louis zum literarischen Shootingstar. Sein zweiter Roman »Im Herzen der Gewalt« erschien 2016 und wird verfilmt. Édouard Louis‘ Bücher erscheinen in 30 Ländern. Im Sommer 2018 war er Samuel Fischer-Gastprofessor an der Freie Universität Berlin, wo er den Begriff der »konfrontativen Literatur« prägte. Zur selben Zeit adaptierte Thomas Ostermeier den Roman »Im Herzen der Gewalt« für die Schaubühne Berlin. Édouard Louis lebt in Paris.

Gerhard Willert wurde 1957 in Deutschland geboren. Er studierte Germanistik, Anglistik und Romanistik in Regensburg und Freiburg und inszenierte zahlreiche Stücke im gesamten deutschsprachigen Raum. Von 1993 bis 1995 war er Leitungsmitglied am Schauspielhaus Wien, von 1998 bis 2016 Schauspieldirektor am Landestheater Linz. 1994 wurde ihm die Kainz-Medaille der Stadt Wien für die Inszenierung von Philip Ridleys „Der Disneykiller“ verliehen.

1996 erhielt er eine Einladung zum Berliner Theatertreffen mit Henrik Ibsens „Baumeister Solness“ am Nationaltheater Mannheim mit Liveübertragung auf 3sat. Seither gestaltete er Hörspielinszenierungen für SWF, Radio Bremen und ORF. Er ist Gastdozent an der Bruckner Universität Linz und am Mozarteum Salzburg. Er ist als Übersetzer tätig und veröffentlichte diverse Essays. Seine Arbeit in Linz ab 2006 ist dokumentiert in dem Band „Wege entstehen dadurch, dass man sie geht“, Verlag Theater der Zeit, Berlin 2015.

Eine Koproduktion mit dem Schauspielhaus Salzburg und La Strada, Graz

Eintritt

Foto: Louise Oligny, Jerome Bonnet

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