
Festival ahoi!
Die Donau ist das Festival.
Eintauchen / Diving Deeper
Wasser ist politisch. Die Donau verbindet. Sie verändert. Landschaften, Ökonomien, Gesellschaften. Strömung erzeugt Widerstand. Eintauchen bedeutet Berühren. Lasst uns den Fluss nicht als Kulisse lesen, sondern als Protagonistin sozialen, politischen und ökologischen Verhandelns. Tauchen wir ein in das Zusammenspiel von Menschen, Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen.
Einladung zum Open Call für das Festival der Regionen 2027
Das Festival der Regionen lädt Künstler*innen, Kulturinitiativen und Menschen mit kulturellem, sozialem, ökologischem und politischem Engagement ein, einmal mehr nicht mit dem Strom zu schwimmen.
Abgabeschluss für Projektideen ist der 30. April 2026.
Das nächste Festival der Regionen findet vom 11. bis 20. Juni 2027 an der Donau, von Linz stromaufwärts, in Oberösterreich statt, mit dem Hauptaugenmerk auf Aschach an der Donau als Festivalzentrum.
Unter dem Thema “Eintauchen / Diving Deeper” setzen wir uns mit der Donau und dem Wasser auseinander.
Die Donau ist der Fluss, der die meisten Länder der Welt durchquert. Aber was bedeutet die Donau vor Ort, ganz lokal und darüber hinaus? Wir suchen nach neuen Sichtweisen und Verbindungen.
Von 10.3.26 – 30.4.26 kannst du hier einreichen:
Wie wird der Fluss gemacht?
Die Donau wird reguliert und romantisiert, befahren und beforscht, kontrolliert und ideologisiert, bewirtschaftet und verwaltet. Es gibt viele zuständige Stellen und unterschiedlichste Interessen: die EU-Strategie für den Donauraum, die für die Schifffahrt zuständige zwischenstaatliche Donaukommission mit Sitz in Budapest, die österreichische Wasserstraßengesellschaft viadonau, das Bundesamt für Wasserwirtschaft, die Internationale Gemeinschaft Donauforschung oder die Joint Danube Survey, die weltweit umfangreichste ökologische Untersuchung eines großen Flusses, um nur einige zu nennen.
Die Donau als Protagonistin
Mit der Donau rückt das Festival 2027 erstmals ein Gewässer in den Vordergrund. Als Schauplatz für künstlerische Projekte. Als Denkfigur für Bewegung, als Ausgangspunkt für Installationen und Interventionen. Als fluiden Raum mit Orten und Menschen, die vom Fluss und dem Leben am Fluss geprägt sind.
Die Donau verändert. Landschaften, Ökonomien, Gesellschaften. Strömung erzeugt Widerstand. Eintauchen bedeutet Berühren. Das Festival der Regionen betrachtet die Region und den Fluss Donau nicht als Kulisse für ein Kunstfestival, sondern als Mitspielerin und Protagonistin sozialen, politischen und ökologischen Handelns.
Wie können wir den Fluss anders machen?
Was ist die Donau jenseits von Regulierung und Marketing, Fahrwasser, Kraftwerk und Kläranlage? Was würde die Donau zu all diesen Nutzungen und Verordnungen, zu Verschmutzung und Artensterben sagen?
Andere Flüsse auf der Welt wurden bereits als juristische Personen anerkannt. Die Donau nicht. Ihr Wasser, ihr Verlauf sind menschengemacht. Wie können wir Menschen es anders machen, gemeinsam mit vielen anderen Wasser-Lebewesen? Wie können Kunst und Kultur neue Vorstellungen vom Leben an und mit der Donau entwickeln?
Tief eintauchen
Eintauchen: real und metaphorisch, körperlich und künstlerisch. In den Fluss der Donau eintau-chen, das Wasser spüren, die Temperatur, die Strömungen, die Unter- und Gegenströmungen. Eintauchen, um Verständnis dafür zu gewinnen, dass das Wasser in den menschlichen Körpern mit dem Wasser in Bächen, Flüssen, Seen, Meeren verwandt ist. Zuhören, was das Wasser der Donau zu sagen hat. Für das Gehörte künstlerische und kulturelle Ausdrucksformen finden, um andere Wasserbeziehungen wie in queeren Ökologien, hydrofeministischen Praxen, indige-nen Kosmologien, aufzubauen, damit das Wasser wieder als Lebewesen begriffen wird.
Tief eintauchen ist etwas ganz anderes als einmal kurz die Zehe ins Wasser stecken. Eintauchen braucht Zeit, ist ein langsamer Prozess. Wenn wir tief eintauchen, sind wir nicht mehr außen vor, wir verlieren den Sicherheitsabstand der Beobachtung, feste Gewohnheiten verflüssigen sich, wir verlieren auch mal den Boden unter den Füßen.
In Aschach an der Donau leben heute 2226 Einwohner*innen. Aber wer lebt noch alles hier? Welche Pflanzen, Tiere, Mikroorganismen leben in der Donau? Im Jahr 2027 können wir die Donau als lebendigen Fluss betrachten, der Rechte hat, der uns viel zu sagen hat, der von uns anders gehört und gesehen werden will. Wir möchten in das Wasser der Donau in Oberösterreich, mit Aschach als Festivalort, tief eintauchen und mit veränderten Vorstellungen wieder auftauchen.
Festivalregion Donau: Die Donau ist das Festival
Das Festival der Regionen taucht alle zwei Jahre in eine andere Region in Oberösterreich ein.
2027 folgen wir der Donau stromaufwärts von Linz hinein in das obere Donautal – eine Einladung, einen Flusslauf voller Kontraste neu zu entdecken.
Aschach an der Donau als Festivalzentrum
Es gibt Orte, die zwar an der Donau liegen, die aber kaum etwas oder nichts mehr mit ihr zu tun haben. In diesen Orten verschwindet der Fluss hinter Hochwasserbauten und Bundesstraßen. Und aus dem Bewusstsein.
Im Unterschied dazu liegt Aschach unmittelbar und buchstäblich an der Donau. Diese Unmit-telbarkeit prägt den Ort und seine Menschen. Alltag und Geschichte von Aschach sind eng mit der Donau verbunden.
Hochwasser, zuletzt 2013, richteten große Schäden an. Industrialisierung, der Bau der Donau-brücke und des Kraftwerks haben Ortsbild, Leben und Infrastruktur nachhaltig verändert. Wa-ren es früher Schiffsleute, Fischer und Bauarbeiter begegnen wir auf der Uferpromenade Rad-touristinnen, Ausflüglerinnen und Passagier*Innen der Donaukreuzfahrtschiffe.
Der Schauplatz: Ein Flusslauf voller Kontraste
Am Weg Richtung Passau liegen Häfen, Fischaufstiege, Gatschinseln und Kraftwerke, die das Wasser stauen und uns mit Energie versorgen. Die Ufer säumen Treppelpfade, Bahngleise, Radwege, Bundesstraßen, Kunstmuseen, Bootstankstellen und geheime Badestrände.
Der Abschnitt zwischen Linz und Ottensheim ist Naherholungs- und Freizeitraum. Belebt und in Bewegung. Mit Donaubussen, Badeplätzen und Regattastrecken. Weiter flussaufwärts wandelt sind das Bild. Hier bestimmen die massiven Staustufen der Kraftwerke, allen voran Aschach, den Rhythmus des Wassers. Hinter Aschach öffnet sich ein engeres Tal, die beeindruckende Natur der Schlögener Schlinge und steile Hanglandschaften.
Die Verbinderin
Die Donau ist eine Verbinderin. Sie durchfließt oder berührt 10 Länder Europas und damit unterschiedliche Sprachen, Kulturen, Religionen und politische Systeme. Die Donau, als West-Ost-Korridor transportiert nicht nur Güter und Sedimente, sondern Ideen, politische und kulturelle Einflüsse.
Der Lauf der Donau fließt durch Regionen, in denen sich Europas Widersprüche und Konfliktlinien zeigen. Der Fluss verbindet Länder, die von autoritären Regierungen, erstarkendem Nationalismus, ungelösten historischen Traumata, aktuellen Kriegen gezeichnet sind. Der Strom ist seit je her eng mit Macht, Ideologien und geopolitischen Interessen verflochten.
Das Leben am und auf dem Strom
Die Donau verbindet Gegensätze:
• Steinböschungen & gewaltige Renaturierungsprojekte.
• Strandpromenaden & Donauuferbundestrassen.
• Toxische Abwässer & Grüner Veltliner aus Aschach.
Unter den Kapitän*innen gilt die Donau als ein langgezogenes Dorf, belebt von Stören, Nixen, Geistern, und Arten, die aussterben, bevor wir sie kennen gelernt haben. Auf dem Fluss begegnen uns Kunst-, Fracht- und Passagierschiffe, schwimmende Ateliers, fiktive Diskoschiffe, Überfuhren, Sportboote, Plätten, Treibgut und Luftmatratzen. Vorbei an Brückenpfeilern, Hochwasserschutzbauten, Mündungen, Schleusen, Donaustränden, Auwäldern und den Spuren der Hochwasser.
Wir ziehen vorbei an Orten und Menschen, die jeden Tag mit dem Fluss in Beziehung und in Nichtbeziehung stehen, an Jugendlichen, die unter Brücken Partys feiern und Radiotourist*innen, die sich im Windstrom nach Linz treiben lassen.
Einreichungsgrundsätze & besondere Auswahlkriterien
Gesucht werden künstlerische Projekte, Interventionen, originäre und unkonventionelle Ideen, die sich mit der Donauregion von Linz stromaufwärts – mit Aschach a.d.D. als Festivalzentrum, beschäftigen. Wir suchen:
- Projekte, die die Donau nicht nur als Landschaft, Bühne, Ressource oder Verkehrsweg verstehen, sondern als lebendige Akteurin, die Lebensräume prägt und zugleich von menschlichen und nicht-menschlichen Beziehungen geformt wird
- Arbeiten, die neue Beziehungen zum Fluss aufbauen und neue Blickwinkel eröffnen und lokale Perspektiven mit überregionalen oder internationalen Blickwinkeln verbinden
- Projekte, die die Menschen vor Ort einbeziehen und Initiativen und Akteur*innen aus Kunst, Wissenschaft, Verwaltung, Aktivismus, Vereinen oder Nachbarschaft zusammenbringen
- Experimentelle, interdisziplinäre künstlerische Ansätze
- Ungewöhnliche Zugänge in der Vermittlung
- Projekte, die insbesondere im Schwerpunktort Aschach an der Donau als Festivalzentrum präsent und erfahrbar werden
Ein Festival von Menschen für Menschen
Wenn du deine Arbeit als einen relevanten Beitrag zu den Fragestellungen des Festivals der Regionen verstehst, freuen wir uns sehr über deine Einreichung. Wir bemühen uns, jede Einreichung aufmerksam zu lesen. Bitte reiche ein Projekt ein, das du aber selbst entwickelt hast und als sinnvollen Beitrag zum Thema des Festivals der Regionen „Eintauchen / diving deeper” und zur Region Donau (Linz stromaufwärts) verstehst. Das Festival der Regionen ist ein Community-orientiertes Kunst- und Kulturfestival. Wir schaffen gemeinsame Räume, um gesellschaftliche, kulturelle und künstlerische Fragestellungen gemeinsam zu vertiefen – im Austausch mit einer Region, ihren Akteur*innen und internationalen Gästen.
Die Einreichungen werden von Menschen gelesen und diskutiert. Konkret von einem kleinen, engagierten Team. Wir erleben zunehmend, dass Ausschreibungen durch eine große Menge automatisiert erzeugter Inhalte überflutet werden. Auch wir haben begrenzte zeitliche und menschliche Ressourcen und können eine Masse an Einreichungen nicht beliebig verarbeiten.
Das Festival der Regionen interessiert sich ausdrücklich für neue Formen des Arbeitens.
Gleichzeitig möchten wir aber auch keine maßgeblich oder vollständig KI-generierten Projektanträge erhalten.
Erfahrungen zeigen, dass automatisiert erzeugte Texte oft gut klingen und formatiert sind, aber inhaltlich vage bleiben. Diese Zeit möchten wir lieber in die zwischenmenschliche Auseinandersetzung – zum Beispiel mit originären Ideen investieren.
Wir laden dazu ein, KI als Werkzeug kritisch zu verhandeln. Für die Einreichung gilt: Skizzen, unfertige Gedanken, experimentelle Ansätze und auch sprachliche Unschärfen sind ausdrücklich willkommen. Wir bevorzugen diese gegenüber glatt polierten Texten, bei denen die Autor*innenschaft oder der Entstehungsprozess unklar bleibt.
Projektauswahl
Die Entscheidung über die Auswahl der Projekte trifft ein vierköpfiges Programmboard, das die kuratorische Verantwortung für das Festivalprogramm trägt und für jede Festivalausgabe neu bestellt wird. Mitglieder des Programmboards für die Ausgabe 2027 sind: Simone Barlian, Fina Esslinger, Elke Krasny und Adriana Torres Topaga.
Die Auswahl erfolgt unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer oder sozialer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Alter, Behinderung sowie sexueller Identität oder Orientierung.
Die Projektauswahl erfolgt in einem mehrschichtigen Prozess bis Ende Juni 2026.
Die ausgewählten Projekte werden im Herbst 2026 präsentiert.
Bei der Auswahl der Projekte berücksichtigt das Programmboard insbesondere:
- die künstlerische Qualität und Originalität der Idee
- die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Festivalthema
- den Bezug zur Region und zum konkreten Ort
- das Potenzial zur Beteiligung von Publikum und lokalen Akteur*innen
- die Realisierbarkeit im gegebenen zeitlichen und organisatorischen Rahmen
Das Festival der Regionen begrüßt Projekte die vielfältig, barrierefrei und inklusiv sind.
Wir legen Wert auf nachhaltige Produktionsweisen und einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. (Festival der Regionen ist ein Green Event)
Mitwirkung am Festivalprozess
Von den ausgewählten Projekten wird eine aktive Beteiligung am Festivalprozess erwartet:
- Teilnahme am Kick-Off-Meeting (September 2026)
- Mitwirkung an Presse- und Präsentationsterminen
- Persönliche Präsenz während des Festivals (11. – 20. Juni 2027)
Komponenten der Projekteinreichungen
Projektvorschläge müssen folgende Angaben enthalten:
- Kontaktdaten der Ansprechperson
- Kurzbeschreibung des Projekts (max. 700 Zeichen)
- Bezug zum Festivalthema (max. 700 Zeichen)
- Beschreibung des Projekts (max. 7 Seiten, 20 MB)
- Projektsujet (Foto, Grafik oder Visualisierung inkl. Fotocredits)
- Geplanter Ort der Realisierung bzw. räumliche Anforderungen (max. 700 Zeichen)
- Kurzbiografien der beteiligten Personen und bisherige künstlerische bzw. kulturelle Aktivitäten (max. 1500 Zeichen)
- Zeitplan für Entwicklung und Umsetzung (max. 1000 Zeichen)
- Finanzplan / Kalkulation (Beilage)
Abgabeschluss: 30. April 2026, 24:00 Uhr
Einreichungen sind auf Deutsch oder Englisch ausschließlich über das Online-Formular möglich. Nach dem Absenden können Projektvorschläge nicht mehr bearbeitet oder erneut übermittelt werden.
Eine Empfangsbestätigung wird automatisch per E-Mail versendet. Sollte keine Bestätigung eintreffen, kontaktieren Sie bitte opencall@fdr.at.
Verspätete oder unvollständige Einreichungen können nicht berücksichtigt werden. Alle Einreicher*innen werden bis Ende Juni 2026 per E-Mail über das Ergebnis informiert.
Beratung
Das Festival der Regionen unterstützt Einreicherinnen bei Recherche, Vernetzung und der Suche nach geeigneten Orten oder Kooperationspartnerinnen in der Region.
Für Fragen zur Einreichung oder für Beratungsgespräche steht Ulla Steyrleuthner (ulla.steyrleuthner@fdr.at) zur Verfügung.
Lokalaugenschein
Am Freitag, 10. April 2026, lädt das Festival zu einer gemeinsamen Tour durch die Festivalregion ein.
Treffpunkt: 12:30 Uhr, Stadtwerkstatt Linz
Anmeldung bis 1. April 2026 unter ulla.steyrleuthner@fdr.at
Über das Festival der Regionen
Das Festival der Regionen erforscht und bespielt seit 1993 alle zwei Jahre eine andere Region in Oberösterreich.
In über 30 Jahren haben sich die Realitäten in den Regionen und wie diese wahrgenommen werden stark verändert. Aber immer geht es beim Festival der Regionen darum, in eine Region tiefer einzutauchen, Veränderungen nicht nur sichtbar und spürbar zu machen, sondern aktiv an neuen Vorstellungen zu arbeiten. Region wird durch das Festival anders gedacht und gestaltet.
Das Festival nimmt dabei aktuelle, zugleich lokal spezifische und große Fragen in den Blick. In Kunst- und Kulturprojekten behandelt es gesellschaftliche Themen. Dabei treten internationale Künstlerinnen mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt, lokale Kulturvereine arbeiten mit überregionalen Kulturschaffenden. Passantinnen werden Teil des Festivals.
Regionen sind nie isoliert. Sie stehen in komplexen kulturellen, ökologischen, ökonomischen und politischen Wechselbeziehungen mit anderen Regionen. Geopolitik ist immer auch regional. Ökonomie ist immer auch lokal. Kaum etwas ermöglicht ein besseres Verständnis dafür als ein Fluss, der an jedem Ort spezifisch und anders ist und dennoch alle Orte an seinem Lauf miteinander verbindet.