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Open Call für KulturNaut*innen / Looking for CultureNauts

2021 konzentriert sich die 15. Ausgabe des Festivals der Regionen auf den oberösterreichischen Teil des historischen Salzkammerguts – zwischen Bad Ischl und Hallstatt.
Mit dem Thema Unter Tag/Underground greift das Festival einen Begriff auf, der die Lebensrealität vieler Menschen, die in den Salzbergwerken des Salzkammerguts gearbeitet haben, widerspiegelt. Mit der Arbeit Unter Tag assoziieren wir schwere körperliche Arbeit unter extremen Bedingungen und ständiger Gefahr. Gleichzeitig bringt die Arbeit im Bergwerk auch etwas Wertvolles an die Oberfläche.

Dieser historische Bezug zur Region Salzkammergut dient als Ausgangspunkt für Projekte des Festivals der Regionen. Der Begriff „Unter Tag“ wird um Dimensionen jenseits des Zusammenhangs mit Bergbau erweitert. Mögliche Assoziationen sind unter anderem:
• Widerstandsaktivitäten;
• Verbesserungsmöglichkeiten für Arbeits- und Lebensbedingungen
• unausgesprochene Konflikte oder Themen;
• konkrete Bedürfnisse und Träume der Bevölkerung für ihre Region;
• „Unter-Tags-Tourismus“ und „Über-Nacht-Tourismus“;
• Auswirkungen der Klimaveränderung auf die Region;
• Präsentation und Stärkung der lokalen Undergroundkultur, von
Alternativszenen, Gegenkulturen, Subkulturen oder Protestbewegungen.

Das Festival der Regionen begibt sich auf die Spurensuche nach historischen und aktuellen Be- sowie Gegebenheiten der Region Salzkammergut und verbindet diese mit einem
Reality Check. Internationale, nationale, regionale und lokale Kulturarbeiter*innen
und Künstler*innen aus allen Sparten entwickeln gemeinsam mit der Bevölkerung vor Ort
Projekte, die die Bedürfnisse, Träume und Ideen der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zu Tage fördern mit dem Ziel, zukünftige Visionen für die Region zu erarbeiten
und zu präsentieren.

Festival der Regionen und Salzkammergut Kulturhauptstadt Europas 2024
Die Abhaltung des Festivals in der Region drei Jahre vor der Durchführung der Kulturhauptstadt Europas 2024 soll eine stärkere Vertiefung kultureller Arbeit in der Region ermöglichen.
Wichtige Arbeitsprozesse wie Capacity Building, verbunden mit einer weiteren Professionalisierung und Internationalisierung der Kulturarbeiter*innen und Künstler*innen aus der Region im Vorfeld der Kulturhauptstadt werden zukünftige Projekte stärken. Gleichzeitig profitiert das Festival der Regionen von der im Zuge der Einreichung zur Kulturhauptstadt geleisteten Vernetzungsarbeit in der Region.

Open Call für KulturNaut*innen
Das Festival der Regionen sucht lokale und internationale Kulturarbeiter*innen und Künstler*innen aller Sparten (Bildende und Darstellende Kunst, Land Art, Literatur, Medienkunst, Musik, Film, …). Diese KulturNaut*innen werden die Festivalregion erforschen, und gemeinsam mit der künstlerischen Leitung das Festivalprogramm gestalten.
Die KulturNaut*innen werden – wie unten angeführt – in gemeinsamen Recherche- und Entwicklungsphasen unterschiedliche eigene Projekte entwickeln und an Kooperationsprojekten mit anderen KulturNaut*innen teilnehmen.
In Zusammenarbeit mit lokalen Kulturinitiativen, weiteren Künstler*innen und der Bevölkerung sollen die KulturNaut*innen Folgendes ausfindig machen:
• Narrative, die erzählt werden müssen;
• Tabus, die diskutiert werden sollten;
• unsichtbare Geschichten, die sichtbar gemacht werden müssen;
• Bedürfnisse, die adressiert werden müssen;
• und Träume, die nach Erfüllung verlangen.

Die Resultate – Projekte, Ausstellungen, Installationen, Theater- oder Tanzaufführungen, Konzerte, Kunst im öffentlichen Raum etc. – werden im Rahmen des Festivals vom
25. Juni bis 4. Juli 2021 präsentiert. Die Projektbudgets werden in enger Zusammenarbeit mit der kaufmännischen Leitung des Festivals erstellt.
Ausgewählte KulturNaut*innen werden vom 9. bis 18. Oktober 2020 (Kick-Off und Austausch unter den Teilnehmer*innen, erste Entwicklung von Projektideen), vom 18. bis
31. Jänner 2021 (Präzisierung und Planung der Projekte) und vom 10. Mai 2021 bis Festivalende (konkrete Vorbereitung und Umsetzung der Projekte) an gemeinsamen Recherche- und Entwicklungsphasen teilnehmen. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, projektspezifisch notwendige Einzelaufenthalte zu vereinbaren.

Bewerbung
Das Festival der Regionen lädt Kulturarbeiter*innen und Künstler*innen mit Erfahrung oder Interesse an kollaborativen und partizipativen Arbeitsmethoden ein, eine Bewerbung einzureichen, die Folgendes beinhalten sollte:
• detaillierter Lebenslauf mit aktiven Links (max. zwei Seiten);
• Motivationsschreiben, in dem die Bandbreite des bisherigen künstlerischen Schaffens sowie das Interesse an oder die Erfahrung mit kollaborativen und partizipativen Arbeitsmethoden dargelegt werden (max. 3.000 Zeichen);
• kurze Beschreibung des Interesses an der Region und dem eigenen Zugang zum Festivalthema (max. 3.000 Zeichen);
• Verfügbarkeitserklärung für die gemeinsamen Recherche- und Entwicklungsphasen sowie die Festivalperiode.
• Kenntnisse in Deutsch und/oder Englisch sind erforderlich.

Bewerbungen (auf Deutsch oder Englisch) bitte bis 23. März 2020.

Für Fragen in Bezug auf die Ausschreibung stehen wir gerne unter opencall@fdr.at zur Verfügung.

Rahmenbedingungen: Das Festival der Regionen zahlt Reise- und Aufenthaltskosten und ein Stipendium in der Höhe von 3.500,- € für die Recherche- und Entwicklungsphasen
sowie projektspezifische Honorare für die Durchführung der jeweiligen Projekte.
Auswahlprozess: Leitung und Vorstand des Festivals unternehmen mit Unterstützung eines unabhängigen Programmbeirats eine Vorauswahl. Die Endauswahl aus den Empfehlungen
des Beirats trifft die künstlerische Leitung. Alle Entscheidungen erfolgen unter Ausschluss des Rechtsweges.
Die in der Vorauswahl nominierten KulturNaut*innen werden bis Mitte Juni 2020 für ein persönliches Gespräch kontaktiert. Die ausgewählten KulturNaut*innen werden
Ende Juni 2020 informiert.

Die Region Salzkammergut, OÖ
Bad Ischl und das Innere Salzkammergut zählen zum historischen Kern einer alten Industrieregion, in der seit Jahrtausenden Salz abgebaut wird und in der sich eigenwillige, kulturelle Traditionen entwickeln konnten. Den Menschen in dieser Gegend wird eine gewisse Renitenz nachgesagt und bei genauerem Hinsehen erschließt sich diese Zuschreibung durchaus. Es ist eine interessante Mischung aus einer in der Abgeschiedenheit der Alpen vielfach vorzufindenden Sturheit und einer für diese Region typischen Abneigung
gegen Ausbeutungen aller Art. Es ist ein über Jahrhunderte grundiertes Gefühl für Gerechtigkeit, das die Menschen im Inneren Salzkammergut auszeichnet.
In dieser seltsamen Verbindung, die gleichsam politisch wie unpolitisch ist, konservativ wie liberal, hat sich ein Menschenschlag entwickelt, der den Wirrungen der Zeit unaufgeregt gegenübersteht oder um es weniger romantisch auszudrücken – der manchmal auch zu einer „knopfadn“ Genügsamkeit und Trägheit neigt. Denn wie überall auf der Welt machen die wirtschaftlichen Vorgänge und Verflechtungen auch vor der nebelfreien Region im südlichen Oberösterreich nicht halt. Die Immobilienpreise steigen seit Jahren ins Unermessliche und dennoch liest man in den regionalen Zeitungen mehr von „Qualitätsbetten“ anstatt von der Schaffung leistbaren Wohnraums. Die Kommerzialisierung der Kaiserzeit wiederum nimmt abenteuerliche Ausmaße an und es werden Sportveranstaltungen, Gastronomiebetriebe und Geschäftsflächen geschaffen, die „den Untoten“ im Namen führen. In Summe ist das ein „more of the same“ im öffentlichen Raum, dem es an Freiräumen fehlt, in denen kleine Konzerte, Lesungen, Tanz oder Bildende Kunst stattfinden können.

Es ist den Künstler*innen und Kulturarbeiter*innen zu verdanken, die diese Defizite mit der erfolgreichen Bewerbung zur europäischen Kulturhauptstadt im Jahr 2024 auf die
Agenda gesetzt und damit wichtige Fragen adressiert haben. Denn trotz der dominanten Klischees und räumlichen Enge haben im Salzkammergut viele unterschiedliche Lebensentwürfe, Dialekte und Sprachen, Meinungen und Religionen Platz. Die Region war zwar immer wieder umfochten, denken wir etwa an Reformation und Gegenreformation, die viele
zur Auswanderung zwang – es ist den Menschen jedoch stets gelungen, für Vertriebene und Zugewanderte Aufnahme und Teilhabe zu organisieren. Und zwar quer durch alle in
ihrer Identität sehr unterschiedlichen Orte.

In einem sind sich nahezu alle einig: das Innere Salzkammergut ist eine Region, in der die Menschen gerne leben, trotz so mancher Entbehrungen und in der noch immer ein
Bewusstsein von einem solidarischen Miteinander existiert: conserve and cooperate! In einer Welt, die zunehmend komplex und unsicher zu sein scheint ist das keine Selbstverständlichkeit, aber vielleicht eine Antwort auf die drängendste Frage unserer Zeit – die gerechte Verteilung von Chancen und Ressourcen, von Vermögen und Macht.
Mario Friedwagner, Freies Radio Salzkammergut

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